3PL-Preise sind nicht öffentlich. Wer dir sagt, was „marktüblich" ist, hat entweder Jahre operative Erfahrung im Maschinenraum — oder etwas zu verkaufen. Meistens letzteres.
Ich habe sechs Jahre lang ein 3PL geführt und auf der anderen Seite des Tisches Hunderte von Pricing-Kalkulationen aus nächster Nähe gesehen — wie sie gerechnet werden, wie sie gegen Wettbewerber positioniert werden, und welche Annahmen am Ende den Preis bestimmen. Was du hier liest, sind Ranges, die ich aus operativer Praxis 2025/2026 im DACH-Raum kenne. Keine White-Paper-Zahlen, keine Investor-Slides. Was dir tatsächlich auf der Rechnung steht.
Disclaimer vorab: Alle Werte sind Bandbreiten. Sie hängen von SKU-Profil, Monatsvolumen, Region, Karton-Größenmix, Retourenquote und Branche ab. Wer dir auf eine Anfrage in 24 Stunden ein verbindliches Angebot legt, ohne diese Variablen zu kennen, kalkuliert vorsichtshalber 20 % Puffer ein. Den zahlst dann du.
Pick & Pack
Pick & Pack ist die Kostenstelle, die in der ersten Mail glänzt und in Monat drei den Bauchschmerz macht. Hier die Ranges für DACH-Standardware (kein Sperrgut, kein Pharma) bei mittleren Volumen von 10.000 bis 50.000 Paketen pro Monat:
Preis-Range Pick & Pack
| Position | Range DE | Range AT | Range CH |
|---|---|---|---|
| Pick (erstes Item) | 0,75 – 1,30 € | 0,85 – 1,45 € | 1,10 – 1,80 € |
| Pick (zusätzliches Item) | 0,10 – 0,25 € | 0,12 – 0,28 € | 0,15 – 0,35 € |
| Pack (Standardkarton) | 0,20 – 0,45 € | 0,25 – 0,50 € | 0,30 – 0,60 € |
| Pack (custom-branded / Geschenkverpackung) | 0,40 – 0,90 € | 0,45 – 0,95 € | 0,55 – 1,20 € |
Die CH-Range ist konstant teurer, weil Schweizer Lohnniveau plus geringere Skalen. AT liegt typischerweise 10–15 % über DE.
Was die Ranges so weit macht
Vier Treiber:
- SKU-Profil. 200 SKUs, alle gut handhabbar, alle ABC-A: Pick im unteren Drittel. 8.000 SKUs mit langer Tail, ein Drittel zerbrechlich, Hälfte braucht Folie: oberes Drittel oder höher.
- Lager-Layout. „Mann zur Ware" (klassisches Regallager, Kommissionierer läuft) hat höhere Lohnanteile pro Pick. „Ware zum Mann" (AKL, Shuttle, AutoStore) hat geringe Variable-Kosten, aber höhere Storage-Sätze. Du zahlst die Automatisierung über das Lager.
- Automatisierungsgrad. Vollautomatisierte AutoStore-Setups bei großen 3PLs liegen bei Pick (erstes Item) teilweise bei 0,55–0,70 €. Aber: Du musst die Mindest-Volumen-Verpflichtung mittragen.
- Volumen. Unter 3.000 Pakete/Monat zahlst du eine 3PL-Strafsteuer von ungefähr 30 %. Ab 30.000 Paketen kommen ernsthafte Konditionen auf den Tisch.
Häufige Tricks: „All-in"-Pakete
Pass auf, wenn du Angebote bekommst, die mit „2,90 € all-in pro Paket" werben. Das sieht gut aus, ist aber meistens eine Verschleierungstaktik. Drei typische Muster:
- Storage ist nicht enthalten. Pro SKU sind dann plötzlich 22 € im Monat fällig, und bei deinen 1.200 SKUs sind das 26.400 € jährlich, die du in der Angebotsphase nicht gesehen hast.
- Bemaßungs-Aufschläge greifen. Alles über 20×20×10 cm wird als „Sondergröße" abgerechnet. Plötzlich sind 40 % deiner Pakete in einer teureren Klasse.
- Surcharges-Katalog im Kleingedruckten. Etikettierung, Stretchfolie, Mehrteile-Picks oberhalb von 3 Positionen — alles separat.
Wer dir < 0,75 € für Pick (erstes Item) verspricht, kompensiert das woanders. Frag nach dem vollständigen Surcharge-Katalog, bevor du unterschreibst.
Storage / Lagerung
Storage ist die Position, auf die viele Brands schauen, wenn sie 3PLs vergleichen — und in Monat sechs feststellen, dass Bemaßungs-Aufschläge ihre Kalkulation halbiert haben.
Preis-Range Storage (pro Stellplatz, pro Monat)
| Lagertyp | Range DACH |
|---|---|
| Regallager — Karton-Stellplatz (60×40×30 cm) | 0,80 – 1,80 € |
| Regallager — größere Fachgröße | 12 – 18 € |
| Palettenplatz (Euro/CHEP, Standard) | 12 – 22 € |
| Palettenplatz (premium, Ballungsraum) | 22 – 38 € |
| Hochregal/AKL/Shuttle (pro Behälter) | 0,90 – 2,20 € |
| Klimatisiertes Lager (Beauty/Pharma, Aufschlag) | +15 – 30 % |
| Gefahrgut-Lager (ADR) | +25 – 50 % |
Die Spannbreite beim Palettenplatz hat eine reale Erklärung: Eine Palette in einem 3PL im Großraum München oder Zürich kostet 28–35 €. Dieselbe Palette bei einem ländlichen Anbieter im Niederösterreich-Süden oder Sachsen-Anhalt kostet 12–16 €. Lohnkosten plus Immobilienmieten erklären den Großteil.
Volumetric-Aufschläge: wie 3PLs Bemaßung optimieren
Hier liegt einer der häufigsten unsichtbaren Kostentreiber. Ein 3PL bemisst Storage in der Regel über das tatsächlich belegte Fach, nicht über das Produktvolumen. Wer ein 30×30×40 cm-Produkt in ein 60×40×40 cm-Standardfach legt, zahlt für das ganze Fach — also die volle 96-Liter-Klasse, nicht die 36-Liter-Klasse des Produkts.
Im Carrier-Geschäft funktioniert das ähnlich nach dem 1:5000-Divisor: Volumetrisches Gewicht = (L × B × H in cm) / 5000. Bei Karton 40×30×20 cm sind das 4,8 kg volumetrisch, auch wenn das tatsächliche Gewicht 1,2 kg beträgt. Du zahlst die 4,8 kg.
Hebel: Eine echte Karton-Konsolidierung (vier statt zwölf Größenklassen, abgestimmt auf deine Top-20-SKUs) reduziert die durchschnittliche Bemaßung um 15–25 %. Das schlägt sich sowohl im 3PL-Storage als auch in den Carrier-Tarifen nieder.
Saisonale Spitzen („Peak-Slots")
Q4-Slots bei mittelgroßen DACH-3PLs sind im Q1 schon teilweise vergeben. Wer im September anfragt, zahlt für Oktober–Dezember oft Aufschläge von 20–40 % auf die normalen Storage-Sätze — oder findet kein Lager mehr. Realistisch: Wenn du in Q4 stark wächst, verhandle die Peak-Konditionen schon bei Vertragsabschluss.
Returns / Retouren
Eine Retoure kostet operativ zwei- bis dreimal so viel wie ein Outbound. Sie muss angenommen, geprüft, ggf. neu verpackt und wieder eingelagert werden. Die Kostenstruktur:
| Retouren-Aktion | Range DACH |
|---|---|
| Annahme + einfaches Re-Stocking (A-Ware) | 1,80 – 3,50 € |
| Mit Sichtprüfung + Re-Konfektionierung | 3,50 – 6,80 € |
| Komplexitäts-Aufschlag (Beauty, Schmuck, Sets) | +1,50 – 4,00 € |
| Entsorgungspauschale (B-/C-Ware) | 0,80 – 2,50 € |
| Returns-as-a-Service (inkl. Rücksendelabel + Portal) | 4,50 – 9,00 € |
Branchen-Realität: About You hat in Geschäftsberichten Retourenkosten von 8–12 € pro Stück kommuniziert. Das ist Fashion mit hoher Komplexität und teurer Sichtprüfung, also obere Range. Wer in Standard-Consumer-Goods unterwegs ist und einen guten Prozess hat, liegt eher bei 3–5 €.
Value-Added Services (VAS)
Alles, was über das reine Pick-Pack-Ship hinausgeht. Ranges für DACH 2026:
| Service | Range |
|---|---|
| Etikettieren / Re-Labeling | 0,15 – 0,45 € pro Stück |
| Sets bilden (Bundling, 2–3 SKUs) | 0,80 – 2,50 € pro Bundle |
| Kit-Assembly (komplex, > 5 Komponenten) | 2,80 – 6,50 € pro Kit |
| Geschenkverpackung | 1,20 – 3,80 € pro Auftrag |
| B2B-Versand auf Palette (Kommissionierung pro Karton) | 0,80 – 1,80 € |
| IOSS/OSS-Cross-Border-Handling | 0,15 – 0,40 € pro Auftrag |
| Manuelle Sonderprüfung (pro Minute) | 0,55 – 1,10 € |
Hinweis zu IOSS: Wenn du ein Non-EU-Seller bist, brauchst du einen EU-Intermediär. Dessen Jahresgebühr liegt typischerweise zwischen 500 und 2.000 €, abhängig vom Sendungsvolumen. Das ist nicht im 3PL-Tarif drin und gerne vergessen.
Carrier-Domestic-Tarife (DE / AT / CH)
Carrier-Tarife sind nicht öffentlich, nicht standardisiert und nicht „fair". Sie sind Verhandlungsergebnisse. Was ich hier nenne, sind Ranges, die ich aus konkreten Verhandlungs-Setups 2025/2026 kenne. Die untere Range bekommst du ab 100.000 Paketen pro Jahr, die obere bei < 20.000.
Deutschland
| Carrier | Standardpaket 2 kg | 5 kg |
|---|---|---|
| DHL Paket (DE) | 3,80 – 5,40 € | 4,50 – 6,80 € |
| DPD (DE) | 3,40 – 5,10 € | 4,20 – 6,30 € |
| GLS (DE) | 3,30 – 5,00 € | 4,10 – 6,20 € |
| Hermes/Evri (DE) | 2,90 – 4,40 € | 3,80 – 5,50 € |
DHL hat zum 1. Januar 2026 Geschäftskunden-Tarife erhöht. Konkrete Berichte aus Händlerverbänden sprechen von etwa 8 % bis 9 % Erhöhung auf das gesamte Portfolio, im Kleinpaket-Segment teilweise bis zu 20 %. Die individuellen Verträge variieren stark — ein Großkunde mit > 500.000 Paketen/Jahr verhandelt anders als ein Mittelständler mit 30.000.
DPD und GLS staffeln nicht nach Gewicht, sondern nach Summe aus längster und kürzester Seite (S/M/L). Das ist günstig für leichte, kompakte Ware (Kosmetik, Schmuck), ungünstig für leichte, voluminöse Ware (Schuhkartons, Spielzeug).
Österreich
| Carrier | Standardpaket 2 kg | 5 kg |
|---|---|---|
| Österreichische Post (AT) | 4,40 – 6,50 € | 5,50 – 8,20 € |
| DPD AT | 4,10 – 6,20 € | 5,20 – 7,80 € |
| GLS AT | 4,00 – 6,00 € | 5,10 – 7,60 € |
Die Österreichische Post hat zum 1. Januar 2026 ebenfalls Tarife angepasst. Listenpreis (Privatkunde) für Paket bis 2 kg liegt 2026 bei 7,39 € inkl. MwSt., für Paket bis 10 kg bei 12,48 € (post.at). Geschäftskunden-Konditionen liegen typischerweise 30–50 % darunter.
Schweiz
| Carrier | Standardpaket 2 kg | 5 kg |
|---|---|---|
| Schweizer Post — PostPac Economy | 6,50 – 9,20 € (CHF 6,00 – 8,50) | 7,80 – 11,50 € |
| Schweizer Post — PostPac Priority | 9,00 – 13,50 € | 11,50 – 17,00 € |
| DPD CH / Planzer | 6,20 – 8,90 € | 7,50 – 11,00 € |
Schweizer Post hat zum 1. Januar 2026 PostPac Economy um 50 Rappen pro Sendung erhöht. Geschäftskunden mit > CHF 2.000 Monatsumsatz bekommen 8 % Rabatt, zusätzlich CHF 1,50 Online-Discount pro Sendung über die Geschäftskunden-Plattform. Im ersten Halbjahr 2026 gibt es einen temporären zusätzlichen Online-Rabatt von CHF 0,50 bis CHF 2,00.
Surcharges
Die Sektion, in der die meisten Brands die Kontrolle verlieren. Pauschal: Surcharges machen 8–18 % deines Carrier-Totals aus, wenn du sie nicht aktiv managst.
| Surcharge | Range |
|---|---|
| Sperrgut (> 120 cm Längste Seite oder > 31,5 kg) | 9,00 – 32,00 € |
| Insel-/Spezialzonen DE (DPD/GLS, Speditionen — DHL Paket meist neutral) | 3,50 – 12,00 € |
| Berggebiete AT (Tiroler/Kärntner Hochtäler) | 1,80 – 4,50 € |
| Schweizer Bergzonen / Tessin-Aufschlag | 2,50 – 6,00 € |
| Express / Same-Day | 4,00 – 18,00 € |
| Sonntags-/Wunschtermin | 1,80 – 5,50 € |
| Letzte-Meile-Aufschlag Großstadt (Wien, Zürich, Berlin) | 0,80 – 2,50 € |
| CO2-Aufschlag / GoGreen Plus (DHL: Opt-out ab 2025/26, 10 % Emissionsreduktion) | 0,05 – 0,20 € pro Paket |
| Treibstoff-/Energie-Floater | 4 – 11 % aufs Grundentgelt |
DHL Sperrgut-Aufschlag liegt bei aktuell 28,99 € innerhalb DE — das ist also keine Range, sondern ein klar definierter Tarif für Volumen über 120 × 60 × 60 cm bzw. > 31,5 kg.
GoGreen wurde zum 1. Januar 2026 für neue DHL-Geschäftskunden eingestellt. DHL hat das durch GoGreen Plus ersetzt — Opt-out-Modell mit pauschaler 10 %-Emissionsreduktion und festem Aufpreis. Wer das nicht aktiv abwählt, zahlt automatisch mit.
Total-Cost-Beispielrechnung
Was kostet ein realistisches Setup im Monat? Beispielshop:
- 10.000 Pakete/Monat
- 2,3 Items pro Order (gut für Mid-Market Beauty/Apparel)
- 1,5 kg Durchschnittsgewicht
- 12 % Retourenquote (eher konservativ; Apparel/Fashion liegt höher)
- 800 SKUs aktiv
- DE-fokussiert (90 % DE, 8 % AT, 2 % CH)
Monatliche Kalkulation (mittlere Range)
| Position | Berechnung | Monat |
|---|---|---|
| Pick (erstes Item) | 10.000 × 1,00 € | 10.000 € |
| Pick (zusätzliche Items) | 10.000 × 1,3 × 0,18 € | 2.340 € |
| Pack (Standard, 50 % branded) | 10.000 × 0,55 € Mix | 5.500 € |
| Verpackungsmaterial | 10.000 × 0,85 € | 8.500 € |
| Storage (800 SKUs, Karton-Mix) | 800 × 6,50 € | 5.200 € |
| Carrier (DHL, gewichteter Mix) | 10.000 × 4,40 € | 44.000 € |
| Surcharges (10 % auf Carrier) | 44.000 × 10 % | 4.400 € |
| Retouren-Handling (12 %) | 1.200 × 4,20 € | 5.040 € |
| Carrier-Retoure (1.200 Labels) | 1.200 × 3,20 € | 3.840 € |
| VAS (Beilagen, Inserts) | 10.000 × 0,12 € | 1.200 € |
| Summe Monat | 90.020 € | |
| Summe Jahr | 1.080.240 € |
Heißt: Bei 10.000 Paketen/Monat landest du im DACH-Markt 2026 realistisch zwischen 8,50 und 10,80 € all-in-Vollkosten pro Paket. Wer mit < 7 € operiert, hat entweder ein Spezialsetup (extrem leichte Ware, sehr wenig Custom-Branding, hohe Volumen) — oder nicht alle Kosten transparent.
Wann sind 3PL-Preise verhandelbar?
Es gibt klare Volumen-Schwellen, an denen 3PLs ernsthaft nachgeben:
- < 3.000 Pakete/Monat: Strafsteuer, kaum Verhandlungsspielraum. Du bist Beifang.
- 3.000–15.000: Pick und Storage sind hart, aber Surcharges und VAS sind verhandelbar.
- 15.000–50.000: Echte Verhandlung. Pick & Pack im unteren Drittel der Range erreichbar, Storage je nach SKU-Profil.
- 50.000–200.000: Du wirst KAM-Kunde. Maßgeschneiderte Tarife, eigene Slot-Allokation, manchmal dedizierte Linien.
- > 200.000: Du verhandelst nicht mehr Pricing, du verhandelst Vertragsstrafen und SLAs.
Bei Carrier-Tarifen ist das Verhandlungspotenzial pauschal 25–40 %, wenn du nie verhandelt oder mehr als drei Jahre nicht angefasst hast. Die meisten Brands lassen genau hier Geld liegen — weil DHL-KAMs nicht von alleine anrufen, um deine Tarife zu senken.
Nächste Schritte
Wenn du wissen willst, wo du in dieser Range konkret stehst:
- Paket 01 – Fulfillment-Audit: Strukturierte Vollkosten-Analyse deines aktuellen Setups. Ich nehme deine Rechnungen, dein SKU-Profil und dein Pakete-Mix und sage dir innerhalb von 14 Tagen, wo du gegenüber dem Markt stehst und welche Hebel realistisch sind.
- 3PL-Kostenrechner: Schneller Selbst-Check. Gib dein Volumen, SKU-Zahl und Carrier-Setup ein und bekommst eine erste Vollkosten-Indikation.
Was du nicht tun solltest: Tabellen wie diese als verbindliches Angebot interpretieren. Die echten Zahlen sind in deinen Verträgen — und in den Surcharge-Katalogen, die niemand liest.